„Auf kleinen Pfoten läuft ein Stück von Leben mit uns durch die Zeit“

Günter Kunert

Meine Meerschweinchengruppe besteht aus zwei Harems von elf Schweinchen (zwei Kastraten und neun Weibchen). Unter den Schulmeerschweinchen befinden sich sowohl Notmeerschweinchen, die niemand mehr haben wollte, als auch Meerschweinchen von einem Züchter. Auch verschiedene Rassen sind vertreten: Glatthaar-, Rossetten- und US Teddy-Meerschweinchen. Meerschweinchen sind Beute- und somit auch Fluchttiere, die zwar ein höchst soziales Miteinander betreiben, aber dabei Körperkontakt meiden. Deswegen ist es für die Kinder und Jugendlichen ein besonderes Erlebnis, wenn sie es schaffen, dass ihnen ein „Meeri“ vertraut und aus der Hand frisst oder sich sogar streicheln lässt.  Durch das Beobachten des sozialen Miteinanders, durch die individuellen Vergangenheiten der einzelnen Schulmeerschweinchen, als auch durch die Verschiedenheit des Äußeren bieten die kleinen Nager vielzählige Gesprächsanlässe. Aber natürlich ergeben sich Dank der Schulmeerschweinchen auch viele motivierende Verknüpfungen zu jedem Unterrichtsfach (Hier ein paar Beispiele): Im Deutschunterricht lassen sich Beschreibungen der Schweinchen anfertigen. In Mathematik wird mittels Kombinatorik überlegt, wie viele Möglichkeiten es gibt, wie sich die Meerscheichen auf die kuschelig bunten Hängematten verteilen. In Sachunterricht/Biologie werden Körperbau, Verhalten, Bedürfnisse, Herkunft, Ernährung der Nager bespochen. In Kunst/Werken/Textil können Meerschweinchenhütten, Hängematten und Bilder angefertig werden. In Sport wird Tauziehen ausprobiert, genauso wie die Schulmeerschweinchen um einen Grashalm ziehen. In Religion/Ethik/Philosophie wird das Thema Schöpfung und Umweltschutz Dank der Schulmeerschweinchen greifbarer. In Musik werden Meerschweinchen-Geräusche gehört und passende Lieder gesungen. In Politik/Wirtschaft kann über Tierrecht, Umweltschutz und den riesigen Umsatz in der Heimtierzubehörindustrie gesprochen werden. In Erdkunde kann das Heimatland der Schweinchen thematisiert und mit unserem verglichen werden.

Es gibt viele Arten, wie man eine Tier-Kind-Begegnung arrangieren kann. Damit meine Tiere möglichst selbstbestimmt und stressfrei interagieren können, bevorzuge ich die „Hortmethode“: In einem schuleigenem Tierzimmer befindet sich ein riesiger Meerschweinchentisch bzw. ein Gehege, an dem Schülerinnen und Schüler Platz nehmen können. An diesen Plätzen wird das Gehege dann geöffnet und es werden sogenannte Kontaktzonen hergestellt. Das hat zur Folge, dass die kleinen Schulmeerschweinchen nun ganz frei entscheiden können, ob und mit wem sie welchen Kontakt aufnehmen wollen.

Privat leben meine Meerschweinchen in einer eigens für sie gebauten Gartenhütte mit Freigehege. Dort haben sie 11 Quadratmeter mit verschiedenen Ebenen zur Verfügung auf denen sie ganz frei herumtollen und entpannen können. Ein- bis zweimal die Woche lasse ich die Meerschweinchen in Gruppentransportboxen einsteigen und bringe sie in ihr Meerscheinchengehege im Tierzimmer der Schule.

Schulmeerschweinchen Arabella