„Das Leben und dazu eine Katze, das ergibt eine unglaubliche Summe, ich schwör’s euch!“  Rainer Maria Rilke

Im September 2020 hat Kajo (Karl-Josef) seinen Weg zu mir gefunden. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich nie darüber nachgedacht eine Katze aufzunehmen. Mit einem Terrier zu Hause ist das auch äußerst schwierig. Deshalb hat Kajo auch ganz von sich allein die Initiative übernommen.

Morgens auf dem Weg zum Stall ist mir schon mehrere Tage lang immer wieder eine junge Katze aufgefallen, die einsam durch die Felder zog. Doch immer, wenn ich das Auto angehalten habe, um nach der Katze zu sehen, lief sie weg. Bei einem Hunde-Spaziergang durch die Felder um unser Dorf hörte ich auf einmal ein Maunzen direkt neben mir aus einem Strauch. Es war die junge Katze, die ich immer wieder gesehen hatte. Sie war ganz dünn und hatte großen Hunger. Alle Hundeleckerli, die ich dabei hatte, verschlang sie ohne Wenn und Aber. Schnell machten wir uns auf dem Heimweg. Dabei telefonierte ich bereits viele Freunde und Bekannt ab, um jemanden zu finden, der die junge Katze aufnehmen würde. Ein Freund aus unserem Dorf lebt auf einem ehemaligen Bauernhof, mag Tiere sehr und bot an, die Katze im ehemaligen Schweinestall zu beherbergen. Mit einer Hundetransportbox und leckerem Futter macht ich mich wieder zurück ins Feld. Dort traf ich die junge Katze direkt wieder an. Sie begleitete einen Spaziergänger mit Hund und kam Richtung Dorf gelaufen.  Ich befragte den Dorfbewohner, ob es seine Katze sei, doch er sagte, dass er diese Katze nur vom Sehen her kenne und auch sie wohl auch schon in seinem Carport übernachtet habe. Daraufhin versuchte ich mein Glück, öffnete das Futter, und stellte es samt Schälchen einfach in die Box. Die kleine Katze hatte so großen Hunger, dass sie einfach hinterher lief und einstieg. Also brachte ich das Kätzchen zu seinem neuen Zuhause und am nächsten Tag zu meiner Meerschweinchen- und inzwischen auch Katzentierärztin. Dort stellte sich heraus, das es sich bei dem Kätzchen um einen 4,5 Monate alten Kater handelt, der keinen Chip, aber dafür Flöhe, Würmer und Ohrmilben hatte. An diesem Tag bekam der kleine Mann nicht nur Medikamenten sondern auch seinen Namen: „Kajo“.

Mittlerweile ist Kajo kern gesund, kastriert, gechipt und natürlich auch zu einem richtigen Kater herangewachsen. Morgens halte ich am Kater-Hof an und versorge, spiele und streichle Kajo noch bevor ich zu den Meerschweinchen und Ponys auf den Christinenhof weiterfahre. Mein Kumpel versorgt und beschäftigt Kajo abends. Perspektivisch soll Kajo jedoch irgendwann mit zu uns nach Hause ziehen – Doch dazu müssen wir allerdings erst noch das richtige Zuhause für uns alle finden.

Selbstverständlich haben wir Kajo auch schon während der Schulzeit besucht. Der wunderbare, mutige und zutrauliche Kater hört auf seinen Namen und kommt auf Zuruf auch aus dem umliegenden Feld zurück zum Stall, um mit uns Zeit zu verbringen. Er hat den Kindern gezeigt, wie flauschig sein Fell ist und wie geschickt Katzen jagen.  Gerade Kajos Freiheit und sein freier Wille bei uns zu sein (ohne Zaun, Leine, Strick oder ähnliches) machen das Zusammensein mit ihm sehr wertvoll.  Einer meiner Schüler hasst es zu verlieren. Er setzt dich enorm unter Druck und hat großen Stress, wenn er sich auf Spiele einlässt, aber er liebt Katzen. In seiner Extrazeit (Die erhalten die Kinder, wenn sie sich an die Regeln halten, ihre Aufgaben erledigen etc. Dazu müssen sie aber auch sehr viele dieser Sterne sammeln und sparen.) hat sich dieser Junge gewünscht zu Kajo zu fahren. Dort angekommen kam Kajo auf Zuruf freudig in den Stall und spielte mit dem Jungen Katz und Maus. Dabei besprachen wir, wie wichtig es für den jungen Kater ist zu gewinnen. Es wurde klar, dass er ohne Erfolgserlebnisse demotiviert von Dannen ziehen und die Extrazeit beenden würde. Das leuchtete dem Jungen ein und er schaffte es sehr oft, Kajo gewinnen zu lassen. Beiden hatten bei dem gemeinsamen Spiel großen Spaß. Beim anschließenden Reflexionsgespräch wurde dem Jungen klar, dass das Gewinnen nicht immer so wichtig beim Spielen ist und es sogar Spaß machen kann zu verlieren.