Im Jahr 2017 haben wir zauberhafte Momente im schulischen Kontext erlebt. Hier möchte ich ein paar der dieser Augenblicke beschreiben:

Das berührenste Schultiererlebnis 2017 (allgemein):
Beim Schul-Weihnachtsfest half ich dabei unsere Schülerinnen und Schüle mit abwaschbaren Glitzer-Tattoos zu versehen. Ein elfjähriger Schüler, den ich aus meiner Tier-AG kannte, war an der Reihe und erklärte mir ganz aufgeregt und hibbelig, welche Tattoovorlage er in welcher Farbe haben möchte, woraufhin ich ihn beruhigen wollte und erwiderte: „Vertrau mir – Ich bekomme das sicher hin.“ Der Schüler antwortete: „Ja, das mache ich! Deine Tiere vertrauen mir und dafür vertraue ich dir!“ und entspannte sich tatsächlich.

Das berührendestes Schulhunderlebnis 2017:
Mein lieber Cookie entscheidet immer selbst, wer ihn streicheln darf (und wer nicht – er geht dann). Die Schüler müssen sich erst sein Vertrauen erarbeiten, was für sie durchaus anspruchsvoll ist, weil sie alle einen emotional sozialen Förderbedarf haben. Im November geschah allerdings das Unglaubliche:

Ein 14jähriger Schüler unserer Schule hat im Rahmen des Biologieunterrichts Cookie kennen gelernt und mag ihn und die anderen Tiere unglaublich gerne.  So entstand die Idee, dass er sich in seinem Klassenverband Tierzeit verdienen kann und dann zu uns (vor allem zu Cookie) in die 1.Klasse zu Besuchen kommt. Von Anfang an haben ihm seine Klassenlehrerinnen und ich bewusst gemacht, dass diese Regelung ein Privileg ist und er sich dies immer wieder aufs Neue verdienen muss.

Der pubertierende Junge, der in Pausen unter anderem auch Erstklässler beleidigte und schlug, hatte nun auf einmal Geduld mit ihnen, unterstützte sie geduldig im Unterricht und hielt sich an die Regeln und Absprachen.
Cookie belohnte ihn dafür, in dem er zum ersten Mal in seiner Schulhundetätigkeit auf den Schoß eines Schülers sprang und sich von ihm ca. 10min lang streicheln ließ.
Ich war baff, begeistert und gerührt zugleich. Sofort meldete ich dem Schüler zurück, wie einzigartig und wundervoll diese Cookie-Begegnung sei, und dass er sich das auch wirklich verdient hatte (und machte noch schnell ein Beweisfoto). Der Schüler lächelte so breit, wie ich es noch nie gesehen habe, und wuchs innerlich mehrere Zentimeter in die Höhe.
Vielen DANK mein lieber Cookie!

Unser lustigstes Schulhunderlebnis 2017:
Während der Hundezeit betätigte Cookie den Fragenbuzzer und es ertönt die Frage: „Wie nennt man einen männlichen Hund?“ Ein Schüler meldet sich ganz euphorisch und sagt mit voller Überzeugung: „Rübe!“

Das berührendestes Schulschneckenerlebnis 2017:
Leider sind in den Herbstferien zwei unserer Klassenschnecken gestorben. Daraufhin las ich den Kindern das Buch „Der Baum der Erinnerung“ (von Britta Teckentrup) vor und gestaltete mit ihnen einen Erinnerungsbaum für „Turbo“ und „Zoe“. Außerdem gingen wir in den Schulgarten um die Schnecken zu beerdigen. Die Kinder durften am Grab noch letzte Worte formulieren, die wir auf einem Abschiedsblatt festhielten:

  • „Ruht in Fieden lieber Turbo und liebe Zoe.“
  • „Ich vermisse dich!“
  • „Danke für die schöne Zeit!“
  • „Wir hatten ganz viel Spaß mit dir!“
  • „Schön, dass du bei uns warst!“
  • „Schön, dass wir dich immer im Terrarium gesehen haben!“
  • „Schön, dass du dich bei uns wohl gefühlt hast!“

Außerdem kamen die Kinder ganz alleine auf die Idee die Gräber mit einem Kreuz und Blumen zu schmücken. Bei all dem flossen auch einige Tränen und es gab Raum um Gefühle zu zeigen und um getrösten zu werden.

Das scharmanteste Schulschneckenerlebnis 2017:
All unsere Schulschnecken haben von den Kindern Namen bekommen. So wurde auch eine Schnecke auf den Namen „Rüdiger“ getauft. So stand am Tag nach der Taufe der namensgebende Schüler vor dem Schneckenterrarium (aus dem keine Schnecke ohne fremde Hilfe herauskommt), suchte mit den Augen eifrig jede Ecke es Terrariums ab und rief dann doch etwas panisch: „Rüdiger?, Rüdiger? Rüdiger, wo bist du??? Frau Rauber, hast du Rüdiger gesehen?“. Ich erklärte, dass Rüdiger ganz bestimmt da sein muss, doch seit dem suchen wir zu Sicherheit regelmäßig unseren kleinen Klassen-Rüdiger.

Das berührenste Schulmeerschweinchenerlebnis 2017:
Beim aller ersten Meerschweinchen-TierAG-Setting kam ich mit einem sehr schüchternen Schüler der vierten Klasse ins Gespräch. Ich muss noch dazu sagen, dass ich diesen Jungen nur einmal pro Woche für eine gute Zeitstunde sehe und selbst erst seit ca. zwei Monaten an der Schule arbeite. Doch die damals noch zurückhaltenden Meerschweinchen ermöglichten mir einen fantastischen Zugang zu diesem Kind. Ich erklärte allen anwesenden AG-Schülern, warum die kleinen Nager schüchtern sind und wie sie sich ihr Vertrauen erarbeiten können (Wiederholung der Meerschweicnehnregeln &-tipps). Der beschriebene schüchterne Junge schaffte es mit seiner ruhigen und zurückhaltenden Art in Rekordzeit, dass zwei Meerschweinchen aus seiner Hand fraßen. Ganz begeitert meldete er sich und sagte: „Ich habe schon das Vertrauen von zwei Meerschweinchen gewonnen!“ und kam dann ins Grübeln: „Eigentlich ist es von den Meerschweinchen ja auch total schlau nicht sofort jedem zu vertrauen!“, ich fragte ihn, warum er so denekn würde. Er antwortete: „Naja, es könnte ja auch jemand ins Tierzimmer kommen, der nicht so nett ist wie wir und die Meerschweinchen ärgern will. Deswegen ist es besser, wenn die Meerschweinchen erstmal vorsichtig sind und uns kennenlernen.“ Danach stellte ich an die gesamte AG-Gruppe, die unser Gespräch still mitangehört hatten, die Frage, wie wir Meschen mit Vertrauen umgehen sollten. Nun folgte ein spannendes Gruppengespräch über ein philosophisches und emotionales Thema und das nur dank unserer kleinen Nagern.

Das empatischste Schulschildkrötenerlebnis 2017:
In der Tier-AG machten wir einen großen Sitzkreis, bereiteten die Schildkrötenbühne (Teppich mit Hüttchen, Salat etc.) vor und gaben den Schildkröten eine große Auslaufmöglichkeit. Alle Schildkröten machten sich sofort auf große Erknundungstour. Nur Blair roch verdächtig intensiv an dem Schildkrötenteppich, den sich aber schon seit einem Jahr kannte. In diesem Setting besuchte uns kurz eine andere AG, weil meine Kollegin etwas aus unserem Klassenraum holen musste. So schauten die Nicht-AG-Kinder kurz beim Schildkrötennauslauf zu. In diesem Moment biss Blair herzhaft in den Teppich und rupfte tatsächlich einige Fussel heraus. Ich zog ihr diese sofort aus dem Mund, setzte sie von dem Teppich herunter und bot ihr Salat an. Doch diesen verschmähte sie, stakste erneut zum Teppich und biss erneut zu. Ich wiederholte meine vorherige Handlung und sagte, dass sie, wenn sie noch einmal in den Teppich beißt, wieder ins Terrarium müsse, damit sie sich nicht doch an den Fusseln verschluckt. Doch natürlich war der Teppich zu verlockend und ich eskortierte Blair zurück ins Terraium.  Einer der Nicht-AG-Schüler kommentierte dies mit: „Tja, das ist wie bei mir! Wenn ich mich nicht an die Regeln halte, muss ich auch in mein Zimmer!“

Kategorien: Aktuelles

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